Ex-Post-Analyse
Die zentrale Rolle der Netzreserve im österreichischen Stromsystem 2025 und 2026
APG führt gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag (§143(3) ElWG) jährlich eine Systemanalyse zur Ermittlung des erwartbaren Bedarfs an flexibler Leistung im österreichischen Stromsystem zwei Jahre in die Zukunft durch. Um die hohe Qualität dieser komplexen Analyse zu sichern, wird jedes Jahr eine Ex-Post-Analyse gemäß §143(3) ElWG und §7(2) Netzreserve-Verordnung zum historischen Engpassmanagement- und Netzreservebedarf durchgeführt. Die Erkenntnisse dieser Analyse sind in Form von methodologischen Anpassungen oder Anpassungen der Eingangsannahmen in der Systemanalyse zu berücksichtigen.
Die Ex-Post-Analyse zeigt die fundamentale Rolle der Netzreserve zur Sicherstellung der Netz- und Versorgungssicherheit in Österreich im Zeitraum 01. Jänner 2025 bis 30. Juni 2026 auf. Die Volatilität im europäischen und österreichischen Stromsystem nimmt im Kontext der voranschreitenden Energiewende und der immer stärker spürbaren Auswirkungen des Klimawandels zu. Gleichzeitig beabsichtigen immer mehr Betreiber thermischer Kraftwerke ihre Anlagen dauerhaft stillzulegen oder endgültig zu schließen. Die Notwendigkeit von Absicherungsmaßnahmen in Form von sicher verfügbarer flexibler Leistung im Stromnetz ist daher ungebrochen.
Die Netzreserve war 2025 und 2026 ganzjährig zur Engpassvermeidung im Einsatz. Im Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 verdoppelte sich die Häufigkeit der Netzreserve-Abrufe im Vergleich zum Vorjahr, was unter anderem auf die extreme Trockenheit in Österreich zurückzuführen ist. Die Notwendigkeit der Netzreserve wird besonders in der Betrachtung einzelner netztechnisch relevanter Stunden sichtbar. In der Realität treten Stunden ähnlich zu den simulierten Situationen der Systemanalyse häufig auf. Die Engpasslösung in Einzelsituationen ist ein komplexer Prozess in der Betriebsführung, in dem die Netzreserve als zuverlässige, gesicherte Maßnahme zur Verfügung stehen muss und weiterhin benötigt wird.